Projekt zur Förderung
junger Literatur

10 Jahre Asphaltspuren ...

titel best of... und davon nur das Beste!

Begebt Euch auf eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit (2003 bis 2015).
Und bemerkt dabei: Literatur ist immer auch Moden unterworfen, spiegelt aktuelle Politik und soziale Verhältnisse wider. Lasst Euch auf alte Zeiten ein und genießt die bunte Mischung, die wir für Euch zusammengestellt haben.

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hooven stadt der platanen

„Im Grunde besitze ich einen Ruhepuls von etwa 57 Schlägen.“ Das ist der erste Satz des Buches von Andreas van Hooven und das ist wohl der zweite Titel des Buches. Außer wenn eine Prise Koks den Puls kurzfristig beschleunigt.

Er, Werbe-Grafiker und namenlos, verliert im heißen Sommer 1997 Berlins seinen Job. Jetzt vertreibt er sich Tage und Nächte mit Autofahrten, Drogen und seinen Freunden. Er liebt laute Musik, beobachtet Frauen in anderen Autos und mit seinem Teleskop die Sterne, besucht Clubs, trinkt Pina Colada und Tonic Water und träumt von ... Ja, von was genau träumt er? Von einem neuen Job, von Geld, von einem anderen Leben? Die Antwort steht noch aus ...
Auch wenn ich mich nicht für ein planloses drogenvolles Leben erwärmen kann, so begeistert mich die Art, wie der Autor einfache Dinge in wunderschöne Sätze formt. Er beschreibt genau, wie jemand Thunfischdosen für streunende Katzen aufstellt, wie jemand zu weinen anfängt, weil er keinen Käufer für seine Lederjacke findet, wie zu viele Kokosraspeln von seinem Eis in die Auslagen rieseln... Banale und profane Dinge werden in Worte gekleidet, die doch eigentlich eine wilde Geschichte erzählen.
Ich finde keinen Begriff für die Besonderheit des Romans. Die Ereignisse plätschern, wobei plätschern zu harmlos, zu langsam, zu negativ klingt. Die Geschichte hat Tempo, aber sie ist nicht schnell, sie rieselt, aber sie rinnt nicht. Es kommt, was kommt, auch wenn es anders besser wäre, aber wer will das schon beurteilen. Ein Ereignis zieht das nächste nach sich und am Ende ist ein Ergebnis da. Schöne lange Sätze mit Doppelpunkten und Gedankenstrichen, mit Vergleichen, mit Gefühlen, alles passiert, aber was ist wichtig, ja, man staunt über dieses und jenes, aber nun denn, es ist nicht zu ändern, wir koksen ein bisschen und brausen durch die Nacht, alles wird gut. Naja, nicht alles, ein paar Ausrutscher gibt es immer, aber was soll’s, morgen ist ein neuer Tag und mal sehen, was der so bringt.
Das Buch hat mir Kurzweil feinster Art beschert und obwohl ich hinterher nicht klüger war als vorher, hat es mich auf eine sehr lebendige, aber unaufdringliche Art überaus gut unterhalten. Wunderbar! Einziger Kritikpunkt: die sehr kleine Schrift!
Andreas van Hooven, Stadt der Platanen, Books on Demand Norderstadt, Taschenbuch, 2016, 156 Seiten, ISBN 978-3-739245-91-1, 9,90 Euro

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf der Homepage das generische Maskulinum verwendet. Mit „der Leser“, „der Autor“ und „der Mensch“ sind hier also in jedem Falle Männer und Frauen gemeint.