Projekt zur Förderung
junger Literatur

Flohr Erich

So, so ... Erich ... Wer das wohl ist? Ein kleiner Schatten wird vorausgeworfen, weil auf dem Buchumschlag ein Hund zu sehen ist, nur schemenhaft natürlich. »Natürlich« ist vielleicht das Zauberwort für dieses Buch ...

Denn was Erich mit Angela M. (der da in Bonn) zu tun hat, entwickelt sich für den Leser vollkommen natürlich, das muss so sein, das musste so kommen, aber das Ganze ist nicht so einfach. Nein, gar nicht einfach, eher sehr verzwickt und losgelöst kann man das sowieso nicht sehen.

Gute 160 Seiten lang gibt es Geschichten, normale und unglaubliche Geschichten, mitunter ganz unglaubliche Geschichten von mehr oder weniger ganz normalen Menschen. In 14 extrem kurzweiligen Kapiteln zeigt sich, wie Leben und Handeln von zig Personen ineinandergreifen, man kommt aus dem Staunen fast nicht mehr raus.

Rüdiger liebt Cervelatwurst mit Gesicht. Hubertus Kranich schafft es bei Tetris bis Level 8. Frau Dreier, die Mutter von Rüdiger, arbeitet in der Taxizentrale. Dort fährt Bella Blume, der heimliche Schwarm von Postbote Ahmed, Taxi. Bella fährt Bob Dylan zum Fußballplatz und muss dafür Rudi am Bordstein stehen lassen. Rudi wiederum ist Schauspieler und hat unter anderem Angst vor gelben Punkten und eine Dishalilio-Phobie. Und weil Rudi kein Taxi bekommt, verpasst er das Casting, aber der Pförtner tröstet ihn mit den nächsten Terminen. Der Pförtner hat einen Zweitjob in der Notaufnahme des Krankenhauses und dort wird – wen wundert das noch? – Bob Dylan mit einem doppelten Schienbeinbruch eingeliefert.

Wie der Bäcker, POM Merzerksi, Heinrich Brüning und Chefredakteur Eckardt in die ganze Chose verwickelt sind, ob das Bob Dylan-Konzert stattfindet und was eigentlich mit Erich und Angela M. (der da in Bonn) los ist, verrate ich Euch an dieser Stelle nicht, denn dieses ganz besondere Vergnügen müsst Ihr selbst erlesen!

Ich habe beim Lesen das Frühstück vergessen, alleine auf dem Sofa gesessen und gelacht, das ist mir schon lange nicht passiert. Ein überragend gutes, nur ein ganz klein bisschen schräges Buch, das mir außerordentliche Freude gebracht hat. Unbedingt empfehlenswert.

Karsten Flohr, Erich Oder: Der Tag, den Angela M. nie vergessen wird ..., acabus Verlag, 2017, Taschenbuch, 180 Seiten, ISBN 978 3-86282-482-3

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf der Homepage das generische Maskulinum verwendet. Mit „der Leser“, „der Autor“ und „der Mensch“ sind hier also in jedem Falle Männer und Frauen gemeint.