Projekt zur Förderung
junger Literatur

Buch Flucht ins Viertel

Das ganz normale Leben: Journalistin Nele arbeitet bei einer Tageszeitung, die finanziell nicht besonders gut dasteht. Ihr Sohn Cairo hat mit seiner Ausbildung, seiner Freundin und seinem Engagement für Flüchtlinge alle Hände voll zu tun. Neles Freund Tjark kommt nur am Wochenende nach Hause, Spannungen sind da vorprogrammiert.

Und dann wird Ngana ermordet. Aus Mali kommend führte sein Weg über Libyen und Lampedusa nach Hamburg und hier wurde er Sprecher einer ganzen Gruppe von Flüchtlingen.

Mit der Aufklärung des Mordes beschäftigen sich dann nicht nur Hauptkommissar Jensen mit seinem Team, sondern auch noch zwei Freunde von Ngana, ebenfalls Flüchtlinge, und eben Nele.

Die ganze Geschichte ist wunderbar bunt und ideenreich aufgebaut. Wer hat zu wem eine Beziehung, wer hatte in der Vergangenheit was mit wem, wer hatte oder hat mit wem ganz bestimmt keine und wer hat von alldem gewusst? Und mittendrin dieser Mord an Ngana.

»Darf man den Plot seines Buches aus der Not und dem Tod verzweifelter Menschen ziehen?« fragt sich Cord Buch im Nachwort seines Krimis. Ich meine: Ja, man darf! Aber man muss es respektvoll machen. Und das ist hier der Fall.

Wenig reißerisch, aber doch spannend entwirrt Cord Buch die komplexe Handlung, während er das Polizei-Team, Nganas Freunde, Nele und nicht zuletzt den Leser gekonnt auf die ein oder andere Fährte schickt. Jeder hat seine Meinung zu Flüchtlingen und den Problematiken, die sich dadurch ergeben. Cord Buch hat offensichtlich gut recherchiert und lässt immer wieder Informationen zum Thema einfließen, die der breiten Masse sicher nicht bewusst oder bekannt sind. Er beschäftigt sich nicht nur mit Aspekten wie Bleiberecht, Unterbringung und Arbeitserlaubnis von Flüchtlingen und Asylbewerbern, er setzt sich auseinander mit Vorurteilen, Rassismus und Bürokratie. Er zeigt auch immer wieder, dass es sich bei jedem Flüchtling um einen Menschen handelt, um einen Menschen mit Gefühlen, Ängsten und Sorgen. Er macht deutlich, wie Ngana und seine Mitstreiter unter der Flucht physisch und psychisch gelitten haben und noch immer leiden. Und wie ihnen das Leben, das sie sich wünschen, trotz Unterstützung von vielen Seiten dann doch sehr schwer oder unmöglich gemacht wird.

Cord Buch hat mit seinem Krimi viel mehr als nur eine spannende, facettenreiche Mordsgeschichte aufs Papier gebracht. Er hat auch ohne Parteinahme und mit Fingerspitzengefühl das Flüchtlingsthema gut aufbereitet, Kompliment!

Cord Buch, Flucht ins Viertel, edition oberkassel, 2017, Taschenbuch, 307 Seiten, ISBN 978-3-95813-0883, 12 € (auch als E-Book erhältlich: ISBN 978-3-95813-0890)

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf der Homepage das generische Maskulinum verwendet. Mit „der Leser“, „der Autor“ und „der Mensch“ sind hier also in jedem Falle Männer und Frauen gemeint.