Projekt zur Förderung
junger Literatur

jenny schon endlich sterblich

Ich habe schon sehr viele Gedichtbände gelesen und bin immer wieder überrascht und erfreut, wie groß doch die Unterschiede sind. Und dann bekomme ich wieder einen in die Hände und das ist ganz besonderer.

Der samtige Umschlag gefällt mir, das Cover gefällt mir. Der verwischte Turm mit den kleinen Fenstern, eigentlich hell, doch mit seltsamen Schatten, der Himmel dahinter, eindeutig blau, aber nicht hell. Ich sehe von unten hoch an dem Turm, sehe aber das Dach nicht und unten sehe ich keine Tür. Aha.

Alle Texte sind rechtsbündig geschrieben und keiner reimt sich, sehr schön, das mag ich. Ich fange an zu lesen und das, was ich lese, gefällt mir.

Der Konsument in mir schwimmt mit den Gedanken, den Worten, den Augen von Jenny Schon. Der Literaturfreak in mir freut sich, dass Menschen wie Rilke, Grosz, Bachmann und sogar Putin Gedanken und Fragen aufwerfen, aber auch „ihr Fett weg kriegen“.

Gedanken der besonderen Art: Man kann sie entweder auf die leichte Art lesen und somit einfach nur genießen (nicht gefährlich) oder als Anlass nehmen, sich mit den Inhalten tiefergehend zu beschäftigen (schon gefährlicher, denn da wartet der Fliegenfänger). Wer war noch Annette von Droste-Hülshoff und wo genau liegt eigentlich Timbuktu? Einen wunderbaren Einstieg liefern dazu die Endnoten im Buch. Auch die Biografie von Jenny Schon macht Lust auf den Umgang mit Literatur und Literaten und Philosophie ...

Eine sehr passende Beschreibung ihrer Texte gibt Jenny Schon meiner Meinung nach selbst:

  Lyrik ist konzentrierte
Wortenergie
Prosa malt das Bild
Im Kopf
Es dauert bis es
Aufs Papier will
Und auf dem langen Weg
Seinen Stil formt
 

Diese Zeilen scheinen aus dem Kontext gerissen vielleicht profan, aber sie sind mehr als treffend: Das, was Jenny Schon hier zu Papier gebracht hat, ist so viel mehr als nur aus der Feder geflossen. Respekt, eine nicht nur fundierte, sondern inspirierende und wohltuende Leistung! Sehr lesens- und beachtenswert.

Jenny Schon, endlich sterblich – gedichte, Geest-Verlag, 2016, 185 Seiten, ISBN 978-3-86685-553-3, 13 Euro

 

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf der Homepage das generische Maskulinum verwendet. Mit „der Leser“, „der Autor“ und „der Mensch“ sind hier also in jedem Falle Männer und Frauen gemeint.